Ob Fliesen, Dachpfannen, Dämmplatten, Fenster oder Sanitärobjekte: In den Lagern vieler Handwerksbetriebe stapeln sich neuwertige Materialien. Wer etwas Zeit investiert und gezielt nach Restposten und Überschüssen sucht, kann bei seinem Bauprojekt viel Geld sparen – und schont dabei noch die Umwelt.

Schätzungen zufolge schlummern auf den Lagerflächen jedes Handwerksbetriebs Restposten und Materialüberschüsse im Wert von 4.000 – 5.000 Euro. Die Produkte stammen meist aus Großgebinden oder Mindestabnahmemengen, sind neuwertig und oft sogar noch original verpackt. Doch zum Einsatz kommen sie häufig nicht mehr: Entweder sind die Materialien zu speziell – gerade was Form oder Farbe betrifft – oder es ist für ein Folgeprojekt schlichtweg zu wenig vorhanden.

Für die Tonne

In der Regel landen die Baumaterialien irgendwann auf dem Müll, obwohl sie eigentlich noch nutzbar wären – eine riesige Verschwendung von Rohstoffen, die einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft entgegensteht. Denn die Recyclingquote ist ernüchternd: Laut Angaben des Umweltbundesamts fielen im Jahr 2016 – aktuellere Daten gibt es derzeit noch nicht – etwa 14,3 Mio. t Baustellenabfälle an. Davon konnten lediglich 0,2 Mio. t (1,6 Prozent) recycelt werden. Mit 13,9 Mio. t (97 Prozent) ging der überwiegende Teil in die Verbrennung. Der Rest wurde deponiert.

Verwerten statt entsorgen

Dabei gibt es Handwerker, die die Materialien durchaus für ein aktuelles Bauprojekt gebrauchen könnten. Aus diesem Grund wurde 2017 die Onlineplattform materialrest24.de ins Leben gerufen, auf der Handwerker mit Restbeständen, gebrauchten Maschinen und Ersatzteilen handeln können. Ein Geschäftsmodell, von dem nicht nur Käufer und Verkäufer profitieren, sondern auch die Umwelt.

Bisher sind rund 1.200 Fachbetriebe auf der Plattform angemeldet. Privatleute werden nur in Einzelfällen als Käufer zugelassen. Wer mit Resten bauen oder sein Eigenheim gestalten möchte, sollte einen Blick auf die gängigen Kleinanzeigen-Portale werfen oder gezielt bei den örtlichen Handwerksbetrieben nachfragen. Das kostet zwar etwas Zeit, birgt aber auch ein enormes Sparpotenzial: Je nach Bauprojekt lassen sich vier- bis fünfstellige Beträge sparen. Auch für Liebhaber historischer Baumaterialien ist das Internet eine wahre Fundgrube.

Da die Ware jedoch beschränkt ist und Nachlieferungen meist nicht möglich sind, empfiehlt es sich, genau zu rechnen, Verlegepläne zu erstellen und auch genügend Reserven einzuplanen. Gerade bei Fliesen lohnt es sich, zwei oder drei Stück vorrätig zu halten, damit man später Schäden ausbessern kann. Um sich vor ominösen Importen zu schützen, sollten Bauherren zudem auf das CE-Zeichen achten. Es sagt aus, dass das Produkt den relevanten Bestimmungen der Europäischen Union entspricht.